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Andreas Kublik (links), Christian Thörner (rechts)
TOUR-Redakteur Andreas Kublik schildert gemeinsam mit seinem Partner Christian Thörner die Erlebnisse als Team bei der Jeantex-TOUR-Transalp
Etappe 7: Trento - Arco
88,97 km - 2206 Höhenmeter
Andreas: Geschafft! Angekommen in Arco - wir sind bei der TOUR Transalp 2010 im Ziel.
Nach dem großartigen Blick auf den Gardasee während der Abfahrt vom Passo Ballino folgte die Tour d'Honneur hinein in das kleine, malerische Städtchen
- ein paar Kilometer nördlich des Lago und unterhalb eines majestätischen Burgfelsens gelegen. Rund 800 Kilometer Strecke (es gab einige Änderungen im Vergleich zur ursprünglichen Strecke, die wir nicht genau mit dem Radcomputer gemessen haben) mit 20.000 Höhenmetern haben wir hinter uns - die Beine melden: Es reicht jetzt mal wieder mit Rennrad fahren. Zur Belohnung gab's eine Woche Kaiserwetter bei der Nord-Süd-Durchquerung der Alpen - und nun in der Dämmerung die Finisher-Trikots für alle, die durchgekommen sind. Und das haben nicht alle geschafft. Hanka Kupfernagel und Jens Schwedler, das Favoriten-Paar für die Mixed-Wertung, haben unterwegs die Waffen gestreckt. So ganz nebenbei fährt man die TOUR Transalp nicht.
Es gehört viel Einsatz und Kampfgeist dazu - auch wenn bei meinem Partner Thörner und mir die Form einfach nicht für die angestrebten ehrgeizigen Ziele reichte (wir hatten tatsächlich mal von den Top 20 geträumt!). Doch trotz aller Enttäuschung: Der letzte Tag ist Team-Tag - das stand von Anfang fest. Gemeinsam losfahren, gemeinsam ankommen - das ist die Devise bei der Transalp. So sind wir denn ganzen Tag auf Tuchfühlung gefahren. Zum Abschluss haben wir die letzte große Herausforderung geschafft, die Kletterpartie über 1.300 Höhenmeter durch den Glutofen an den Osthängen des Monte Bondone - wegen einer polizeilichen Anordnung nicht auf der klassischen Route von Trento, sondern über einen Umweg von Aldeno aus.
Unterwegs haben wir am letzten Tag alle Verpflegungsstationen reichlich abgegrast - zum Schluss muss ein bisschen Gemütlichkeit sein. Nur als Thörner bei jeder Gelegenheit unterwegs ein paar Schnappschüsse mit dem Foto-Handy machen wollte, habe ich ein bisschen gedrängelt. Irgendwann sollte die Plackerei mal wirklich finito sein - finalmente!
Ins Klassement habe ich gar nicht mehr geguckt - die Platzierung war nicht mehr entscheidend. Großartig wie Radfahrer bei Rennen gerade in Italien Vorfahrt genießen! Wir feiern auch ohne den angestrebten Erfolg und lassen's jetzt bei der Finisher-Party krachen!
SIGMA Log 1 Andreas (PDF: 397 KB)
SIGMA Log 2 Andreas (PDF: 412 KB)
Christian: Oggi l'ultimo tappa! Geschafft! Kein Sturz! Kein Defekt! Wahnsinn! Super Gefühl! Auf der letzten Etappe nur 49 Minuten hinter den Mainzlmännchen! Und Deutschland schießt Argentinien mit 4:0 aus der WM! Was will man mehr - sportlich gesehen?
Der letzte Ritt ging ging über 100 km von Trento nach Arco am Gardasee. Als letzter Monsterpass der Transalp stand heute der Monte Bondone auf dem
Programm: 1.400 Höhenmeter auf 19 Kilometern. Und unten am Bondone war es wieder schrecklich heiß, kein Lüftchen wehte. Ich bereute schwer, heute ein schwarzes Unterhemd unter dem Trikot angezogen zu haben. Nach fünf Kilometern am Berg hielt ich es nicht mehr aus, hielt an, zog das Unterhemd aus und lies es am Streckenrand zurück. Da das Shirt schon sehr, sehr vermüffelt war, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemand dafür interessieren wird und bin guter Dinge, es bei meiner nächsten Trainingsfahrt auf den Bondone wieder abholen zu können.
Welche Erleichterung, nach der Entkleidung ging es aufwärts! Der obere Teil des Bondone flutschte, in der Abfahrt und im anschließenden Flachstück war wieder ordentliches Treten möglich und dann kamen die wirklich allerletzten Höhenmeter der Transalp: der Anstieg zum 775 Meter hohen Passo Ballino. Von dort ging es nur noch bergab, der Gardasee zu unseren Füßen. In Arco dann die Zieleinfahrt unter Palmen. Natürlich Arm in Arm mit meinem Partner Kublik. Im Ziel empfängt uns Angi von der TOUR mit einem Weißbier.
Fantastico!
Mein Fazit nach der TOUR Transalp: Natürlich steht das Rennen im Vordergrund, aber in Erinnerung bleiben die Menschen und die vielen kleine Dramen, die sich hier täglich abgespielt haben: Stürze und wieder Aufstehen, Faststürze und hauchdünnes Ausweichen auf die Wiese, Angst vor der Abfahrt, Schweißausbrüche am Anstieg, zittrige, verkrampfte und taube Arme von den langen Abfahrten, aus abgesperrten Hotelkellern professionell geklaute Fahrräder und Fahrer, die am nächsten Tag verzweifelt nach Ersatz suchen.
All das haben wir hier erlebt.
SUPER WAR'S!!!
SIGMA Log 1 Christian (PDF: 397 KB)
SIGMA Log 2 Christian (PDF: 412 KB)
TOUR-Redakteur Andreas Kublik schildert gemeinsam mit seinem Partner Christian Thörner die Erlebnisse als Team bei der Jeantex-TOUR-Transalp
Etappe 6: Kaltern - Trento
118,43 km - 3055 Höhenmeter
Andreas: Das Schweißwasser läuft mir am Körper herunter, kaum ein Lüftchen rührt sich. Nicht auszuhalten diese Hitze - schon frühmorgens im Bett. "Die heißeste Transalp", sagen die, die die Alpenüberquerung seit der ersten Auflage 2003 begleiten. Höher, weiter, heißer. Es gibt viel Möglichkeiten, die Anforderungen zu steigern. Tagsüber misst der Radcomputer in den Tälern um die 35 Grad - wenn mal etwas Schatten auf ihn fällt.
Eine Aufwärmrunde wie unsere morgendlichen elf Kilometer Radfahrt vom Hotel in Auer zum Start nach Kaltern - 150 Höhenmeter inklusive - ist schon eine Qual. Das Herz pumpt, die Beine schmerzen wie im Rennen - der Körper droht heute mit Streik. Also Fine gara - Ende des Rennens, alles vorbei am vorletzten Tag? Besser kein Gedanke an die 118 Kilometer mit 3.055 Höhenmetern Kletterei. Und schon gar kein Gedanke an die Testfahrt des langen Anstiegs ins Bergdorf Truden vor zweieinhalb Wochen, als mir die Frauen in Montan nachriefen, die ich nach dem Weg zu der kleinen, steilen Bergstraße gefragt hatte: "Das ist für Lebensmüde."
Oder für besonders Leidensbereite, wie sich auf der sechsten Etappe zeigt: Über etliche Kehren und Rampen geht es zwischen 15 und 18 Prozent steil bergan, die Radfahrer schnaufen wie Dampfloks, kämpfen sich in Schlangenlinien die 950 Höhenmeter bergan.Es ist das steilste Stück dieser TOUR Transalp. Nach kurzer Abfahrt folgen die 1.200 Höhenmeter auf den Passo Manghen, dessen schmales Asphaltband dankenswerter Weise von den Bäumen wie von einem Sonnensegel beschattet wird. Für die verwinkelte Abfahrt von der 2.039 Meter hohen Passhöhe ins Valsugana braucht man keine Windweste, der Körper schreit nach Abkühlung. Unten im Tal wartet kein freundlicher Luftzug, sondern ein heißer Gegenwind und viele schmerzhafte Wellen auf der Straße zu den Seen von Levico und Caldonazzo, die meisten hängen schwer über dem Lenker, als es über eine letzte Rampe hinüber ins Etschtal zum Freiflug ins Ziel nach Trento geht.
Die heißen Kämpfe, die man sich stundenlang an den Pässen mit dem inneren Schweinehund und den Lieblingsrivalen im Starterfeld geliefert hat, enden mit einem gemeinsamen Bad im Neptunbrunnen auf dem Domplatz von Trento. Wie schnell man Schmerzen vergessen kann! Für das Wochenende sind übrigens Temperaturen bis 38 Grad vorhergesagt. Morgen letzte Etappe - dann haben wir's geschafft. Vom Hotelfenster sieht man den letzten dicken Brocken dieser Tour, den von einem Funkturm gekrönten Monte Bondone. Wäre es nicht schön, wenn es morgen dort oben schneien würde - wie im Jahr 1956 bei Charly Gauls Sieg beim Giro d'Italia? Man wird bei der Hitze wirklich langsam verrückt...

Christian: Oh Mann, bin ich heute eingegangen! Über eine Stunde bin ich nach meinem Partner Kublik ins Ziel der Etappe von Kaltern über 118 Kilometer nach Trento gekommen. Das war dann wohl die Quittung für die gestrige Etappe, auf der ich einfach über meine (derzeitigen) Verhältnisse gefahren bin.
Der erste Anstieg nach Truden mit bis zu 18% Steigung (so stand es auf den Verkehrsschildern entlang der Straße) hat mich bereits mehr als angeknockt. Der Manghenpass danach war zwar nicht ganz so steil, jedoch mit 1.200 Höhenmetern mehr als anspruchsvoll. Das Schlimmste heute war jedoch die unerträgliche Hitze in den Flachpassagen und am letzten Anstieg oberhalb von Trento: Als ich Christian vom Team Auto Eder am Streckenrand im Schatten sitzen sah, war die Versuchung dann einfach zu groß und ich musste mich zu ihm gesellen. Nachdem wir unsere Trikots mit Wasser aus einer nahen Quelle überschüttet hatten, machten wir uns wieder auf und stapften die letzten Kilometer gemeinsam dem Ziel entgegen.
Als ich so im Schatten neben Christian gesessen war, hatte ich auf einmal gemerkt, dass mein rechter Oberschenkel unter der Radhose deutlich dicker war als der linke. Beim genaueren Hinsehen entpuppte sich die Schwellung als riesige Wasserblase, die sich in Folge eines Insektenstichs in der gestrigen Abfahrt nach Auer gebildet hatte. Im Ziel bin ich sofort ins Sanitätszelt gegangen, wo das Wundwasser nur so aus der Blase spritzte und die Ärztin die Wunde sofort desinifiziert und perfekt verbunden hat. Vielen Dank dafür!
Jetzt ist das Ziel der Transalp in Arco wirklich nicht mehr weit. Nur noch 100 Kilometer und 2.200 Höhenmeter morgen auf der letzten Etappe. Aber es soll wieder heiß werden, noch heißer als heute!
SIGMA Log 1 Andreas (PDF: 397 KB)
SIGMA Log 2 Andreas (PDF: 412 KB)
Etappe 5: Alleghe– Kaltern
114,58 km - 2656 Höhenmeter
Andreas: Ich traue meinen Augen kaum: Am San-Pellegrino-Pass, erste Steigung des Tages mit mehr als 1.100 Höhenmetern, kurbelt mein Partner Thörner unserer Gruppe leichtfüßig davon - mir schwant Böses. Haben wir ihn vielleicht doch zu sehr motiviert? War nach Tagen der kleinen Sticheleien die Aussicht auf Belohnung der entscheidende Trick?
Rückblende zum Vorabend, als die entscheidende Schnapsidee entstand: Die letzten Sonnenstrahlen des Tages beleuchten den Felsturm des Dreitausenders Monte Pelmo, der Hotelchef hat oben im kleinen Bergdorf oberhalb von Alleghe noch einmal extra für die hungrigen Radler die Küche angeschmissen (nach der Pasta-Party kommt oft der zweite Hunger, spätestens beim Blick ins Roadbook), die Flasche Merlot schmeckt köstlich, da macht sich Thörner, noch ehe der Tisch abgeräumt ist, daran seinen täglichen Spickzettel zu schreiben: auf die Kommastelle genau schreibt er auf einen Fetzen Papier die Kilometerangaben für die Steigungen des kommenden Transalp-Tages, steckt es in eine kleine Plastikfolie, die er dann unter das Hosenbein seiner Radhose schiebt. Er zieht das Ding im Laufe eines Tages immer wieder unter der Hose raus und beglückt mich mit wertvollen Infos wie: "Noch zehn Kilometer bis zur Passhöhe." Meistens in dem Moment, in dem ich gerade gehofft habe: höchstens noch fünf... Aber er braucht das. Thörner ist Zahlenfetischist. Das sollte man wissen. Ich schlage daher vor, auch Durchfahrtszeiten zu den Kilometerangaben zu schreiben, die er dann bitte einhalten soll. Doch der Trick ist wohl zu billig. So leicht kriegt man Thörner nicht.
Bis Monika Weber, die Veranstaltungschefin, bei uns am Tisch die zündende Idee hat: Sie setzt eine Flasche vom Rotwein "Kalterer See" aus, wenn wir laut Marschtabelle einen 28-er-Schnitt auf der Etappe von Alleghe nach Kaltern hinlegen - immerhin über San-Pellegrino-Pass und Karerpass sowie die Höhenstraße über Deutschnofen und Aldein - 115 Kilometer, 2.656 Höhenmeter. Geplante Zielzeit bei 4:06 Stunden Fahrtzeit: 13:06 Uhr. Der Wein macht sichtlich Beine - wir rollen anfangs Platz um Platz nach vorne. Kleine Schwächephasen überbrückt Thörner mit selbst gesetzten Rechenaufgaben. Am Karerpass kalkuliert er, ob seine Bestzeit im 5.000-Meter-Lauf (13:59 Minuten - okay, ein paar Jahre alt) für den Marathon-Weltrekord reichen würde, wenn er das Tempo durchgehalten hätte. Ich weiß nicht, was diese Rechnung gerade jetzt bringen soll. Aber, bitte, wenn es hilft. Nicht auszudenken, wenn er die Rechenleistung in die Beine gesteckt hälfte.
Auf dem Weg nach Deutschnofen machen wir ein paar Mitfahrern gute Gefühle, indem wir uns überholen lassen. Aber die letzten Kilometer Richtung Kaltern pressen wir mächtig aufs Tempo - für alle die sich in unserer Gruppe über die sinnlose Tempoarbeit für eine Platzierung im Niemandsland des Klassements gewundert haben: Wir wollten die Flasche Rotwein wirklich haben! Wir haben das Ziel dann leider deutlich verpasst, aber unser bestes Teamwork hingelegt - und die beste Platzierung hingelegt. Vielleicht auch nur, weil in der Nacht zuvor etlichen Teams die Räder geklaut worden waren und die betroffenen Transapler ohne Untersatz nicht an den Start gehen konnten. Aber das hat Thörner ausnahmsweise nicht miteinkalkuliert - wir sagen ihm das jetzt auch nicht ausdrücklich. Immerhin wir haben heute getan, was wir konnten - und unsere Ersatzräder an zwei Schweizer Starter verliehen. So, Feierabend! Wir kaufen uns jetzt selbst einen "Kalterer See" und drücken allen Bestohlenen die Daumen, dass die Räder wieder auftauchen!
SIGMA Log Andreas (PDF: 395 KB)
Etappe 4: St. Vigil – Alleghe
129,87 km - 3449 Höhenmeter
Andreas: Heute Königsetappe – 130 Kilometer, 3.449 Höhenmeter. Ein Ruhetag in St.
Vigil mit Blick auf die beeindruckenden Felswände der Fanes-Gruppe wäre mir lieber gewesen - nach dem Temporitt gestern und nach dem Leidensweg auf den Furkelpass.Die Beine waren auch morgens noch bleischwer. Also lautet das neue Tagesziel: Bella figura machen, also gut aussehen, wie die Italiener sagen. Doch den Plan muss ich verwerfen: Die farblich passende Radhose ist in der großen Gepäcktasche, die schon auf dem Weg ins nächste Hotel ist.
Die TOUR Transalp ist eben eine logistische Meisterleistung – auch für die Teilnehmer. Ich habe Glück, dass noch eine Ersatzhose im Rucksack steckt.
Die Königsetappe über Grödner Joch, Sellajoch und die Pässe Pordoi, Falzàrego und Giau in Jeans oder Unterhose – das wäre ein Erfahrungsbericht geworden!
Doch trotz leichter Radshorts waren die Beine am Start bleischwer. Also sind Thörner und ich (übrigens: Wir nennen uns schon länger respektlos beim Nachnamen – unäbhängig von unseren Beziehungskrisen hier bei der Transalp) erst einmal entspannt von St. Vigil durchs Alta Badia gerollt – aber der erste größere Sturz hat einen Fluchtreflex bei mir ausgelöst und Thörner aus den Augen verloren. Ich habe dann bald mein Tempo wieder beruhigt – aber:
Wie ich hier auch fahre, es tut weh. Immerhin: Die meisten Bekanntschaften unterwegs haben auch geflucht – am vierten Tag sind viele Kraftreserven verbraucht.
Geteiltes Leid ist halbes Leid. „Warum tue ich mir das immer und immer wieder an?“, brüllt Bernhard vom Team BaderMainzl in die Felswände am Passo Giau. Warum? Die Sinnsuche verschieben wir bis zum Bier abends auf der Seepromenade am Lago di Alleghe. Dort komme ich nach einem irreparablen Kettenklemmer wenige Hundert Meter vor dem Ziel wie der Freiherr von Drais auf einem Laufrad an. Vielen Dank an den Mechaniker des Reparatur-Teams von Rose, der nach der Demontage der Kurbel die Kette wieder aufs Blatt bringt!
So viel für heute – ich brauche heute dringend einen Mittagsschlaf. Es wird dann wenigstens ein halber Ruhetag.
Christian: Ich bin heute mit dem Partner von Christoph Fuhrbach geradelt. Der Leistungsunterschied zwischen Johannes und Christoph (Misereor Team 1) ist ungefähr so groß wie zwischen meinem Partner Kublik und mir, aber weil Johannes und ich die heutige Etappe etwas entspannter angegangen sind als unsere Teamleader, hatten wir Zeit zum Plaudern – und Johannes plaudert äußerst gerne auch an den steilsten Anstiegen! – und dabei habe ich die sehr spannende Geschichte seines Teampartners erfahren:
Christoph Fuhrbach plant am 24. und 25. Juli einen Weltrekord aufzustellen:
Er will in 24 Stunden 20.050 Höhenmeter auf dem Rennrad zurücklegen.
Dazu will er die 1,8 km lange Straße auf den Rührberg bei Grenzach-Whylen genau
111,4 Mal hinaufradeln. Die TOUR Transalp nutzt er eigentlich nur als Training für dieses Ziel. Deshalb ist er gestern vor der Etappe nach St.
Vigil bereits zwei Stunden vor dem Start auf eigene Faust auf die „Gewürzschnitte“ und wieder herunter geradelt, um dann mit dem offiziellen Feld gleich wieder hochzujagen. Christophs Markenzeichen auf dem Rennrad sind seine Birkenstockschuhe. Ja, richtig gelesen: Im Zeitalter von Hightechbikes fährt Christoph ein stinknormales Rennrad mit Aluminiumrahmen, das anstatt mit Klicksystem mit Rückstrahlerpedalen vorm Tourenrad ausgestattet ist. Dazu trägt er immer seine Sandalen, mit denen er nur drücken und nicht ziehen kann; dafür seien sie sehr gut belüftet, sagt er.
Christoph Fuhrbach plant seinen Weltrekordversuch zu Gunsten eines wohltätigen Misereorprojekts in Südamerika. Hierfür sind Spender und Sponsoren noch herzlich willkommen. Auf jeden Fall braucht Christoph auch noch möglichst viele lautstarke Unterstützer an der Strecke in der Nähe von Lörrach. Also, auf geht’s an den Rührberg!
Heute stand die Königsetappe über fünf Dolomitenpässe mit dem Giau zum Abschluss und als Krönung an. Kublik wurde heute kurz vor dem Ziel fehlgeleitet; deshalb und weil es mir von Tag zu Tag besser geht, hatte ich heute „nur“ 25 Minuten Rückstand auf ihn. Insgesamt liegen wir jetzt auf Platz 154. Aber noch ist die TOUR nicht zu Ende. Vielleicht kommen wir ja noch, langsam, aber gewaltig!
SIGMA Log Christian (PDF: 1.57 MB)
Etappe 3: Brixen - St.Vigil
85,08 km - 2938 Höhenmeter
Andreas: Heute wollen wir uns mit einem ganz heiklen Thema bei der Transalp
beschäftigen: dem Ego-Trip. Grundsätzlich handelt es sich um einen Team-Wettbewerb, man fährt zu zweit, man gewinnt zusammen, leidet zusammen, baut sich auf, hilft sich. Aber irgendwann hat mich der Teufel geritten – vor dem Einschlafen der Gedanke: Ich will wissen, was wirklich geht, meinen eigenen Rhythmus fahren. Aber Achtung: Die Idee ist straffrei, aber die Umsetzung kann richtig Ärger mit dem Partner geben! Also haben Partner Thörner und ich morgens ein klärendes Gespräch geführt und waren uns schnell
einig: Heute macht jeder sein Ding - das hilft gegen Lagerkoller und Beziehungsstress. Es bringt keine gesonderte Erwähnung in der Ergebnisliste (nur der Zweite eines Teams wird gestoppt), es ist nur was fürs Ego.
90 Kilometer, zwei Pässe, das war das Tagesprogramm - gut für einen fixen Soloritt, dachte ich. Gedacht, getan. Aus dem zweiten Startblock hurtig auf die Verfolgung der Nachhut der Topstarter gemacht, mit Puls 180 in den Berg gestürmt (wollte ich das nach dem ersten Tag nicht bleiben lassen?). Aber dann läuft's - der Puls senkt sich (zugegeben, minimal...), die Beine wirbeln, Position um Position nach vorne - bis kurz unter der Passhöhe die Beine zu schmerzen beginnen. Die Gruppe mit den besten Mixed-Teams drückt mir zu sehr aufs Tempo. Das kriege ich auf der welligen Umfahrung des Kronplatz zu spüren. Unterwegs haben der Paralympics-Sieger Wolfgang Sacher und ich an den vielen steilen Stichen am Ende unserer Gruppe Mordpläne an Stanciu geschmiedet. Wir haben die Tat leider nicht ausführen können. Nicht, weil wir dem Transalp-Chef Uli Stanciu die Streckenführung bis ins Ziel wieder verziehen hätten. Nein, es ging mit mir als Komplize einfach nicht.
Ich war kräftemäßig am Ende (Wolfgang übrigens auch, weil er in der Abfahrt vom Furkelpass in ein Geröllfeld flog und wie ein ausgepeitschter Galeerensklave im Ziel ankam; bei dieser Gelegenheit gute Besserung an alle Sturzopfer!). In der Einfahrt zum Furkelpass hat mir jemand den Stecker rausgezogen. Wasserflasche leer (an der letzten Verpflegungsstelle vorbeigerast - sehr intelligent!), Beine blockiert - alle Mitfahrer blitzschnell außer Sichtweite. Die Tempobolzer in der Gruppe mit den besten Mixed-Teams haben mich auf den Wellen nach Olang zermürbt - in den 15-Prozent-Rampen zum Furkelpass ging dann nix mehr. Mann, habe ich mich nach Thörner gesehnt, vergleichsweise locker radeln, sich Zeit nehmen für Panoramablicke. Die Transalp könnte so schön sein. Ende der Ego-Trips würde ich zumindest jetzt direkt nach dem Zieleinlauf sagen. Morgen: Königsetappe.
Besser nicht daran denken.
Christian: "Wann kommt endlich dieser verdammte Furunkelpass?", denke ich mir irgendwo in einer 14%-Rampe im Anstieg zum Furkelpass, ohne zu ahnen, wie weit es noch zum Gipfel ist. Und das macht mich wahnsinnig, wenn ich nicht genau weiß, was noch kommt. Die Sonne brennt erbarmungslos, kein Windhauch schafft Abkühlung; es hilft nichts, ich muss wieder absteigen und mich für 1 Minute in den Schatten setzen.
Der "Furunkel" war der zweite Anstieg der heutigen Etappe, und der brutalste der gesamten Tour bisher. Die „Gewürzschnitte“ zu Beginn der heutigen Etappe, das Würzjoch, ging noch relativ problemlos, obwohl mir mein Partner Kublik bereits dort himmelweit enteilt ist. Wir hatten nämlich vor der Etappe beschlossen, dass er auf eigene Rechnung fährt und nicht auf mich warten braucht. Sein Ergebnis kann sich sehen lassen: Nur ca. 30 Minuten hinter den Führenden ist er ins Ziel gekommen, während ich wieder deutlich über eine Stunde auf die Spitze verloren habe. Aber meine Zeit zählt halt leider für unser Team.
Noch eine kleine Anekdote am Rande: Gestern Abend haben wir noch schmutzige Wäsche gewaschen – real natürlich, nicht im übertragenen Sinne. Während ich den Waschgang absolut nötig hatte, weil mein gesamtes Teamoutfit durchgeschwitzt und schmutzig war, meinte Kublik, er habe noch ausreichend frische Sachen, denn auf der ersten Etappe (als wir noch schön gemeinsam ins Ziel geradelt sind) habe er so wenig geschwitzt, dass er das Trikot auf der zweiten Etappe gleich nochmal angezogen hat. "Sauber", denke ich mir, "so weit sind wir jetzt also schon, der Sauhund kommt bei meinem Tempo noch nicht mal ins Schwitzen!"
Auch gestern abend hatte ich noch eine Sitzung (vielmehr natürlich eine Liegung) beim Physio. Das war bitter nötig, denn gestern bin ich ja wie ein 90-jähriger vom Rad gestiegen. Tom aus Ehingen scheint wahre Zauberhände zu haben, denn heute haben mein Rücken und mein linkes Knie schon deutlich weniger geschmerzt. Toms Massagekünste scheinen sich im Peloton herumgesprochen zu haben, denn obwohl er eigentlich als Physio und Wohnmobilfahrer für das Ford Eder Team aus Rosenheim, Christian und Klaus, mitgereist ist, massiert er mittlerweile den halben Campingplatz. Heute abend werde ich wohl nochmal wegen einer Liegung bei Tom nachfragen!
SIGMA Log Christian (PDF: 1.57 MB)
Etappe 2: Sölden - Brixen
123,86 km - 2985 Höhenmeter
Andreas: Puh, geschafft! Schon der Beginn des zweiten Tages: sehr angenehm! Deutschland bei der Fußball-WM im Viertelfinale, die Beine nicht so schwer wie befürchtet (morgens Treppe statt Lift möglich!) - und gleich nach dem Start geht es bergauf. Also kein Stress, kein Gedränge im dichten Feld wie gestern. Bald gibt es nur noch kleine Grüppchen und die Gelegenheit zum einen oder anderen Plausch auf dem Weg zum Dach dieser TOUR Transalp, auf das 2.509 Meter hohe Timmelsjoch.
Am zweiten Tag scheinen alle ihr Tempo gefunden zu haben. Auch wir wissen: Wir müssen nicht mehr (oder besser gesagt: wir können nicht) um eine Topplatzierung kämpfen - Zeit für ausgedehnte Blicke über die glitzernden Schneeflächen oben am Timmelsjoch. Danach surfen wir die Abfahrt hinunter nach St. Leonhard und setzen uns für den 20 Kilometer langen Anstieg auf den Jaufenpass neue Ziele. Ich zum Beispiel: Ranfahren und Dranbleiben an Startnummer 341 B, blonder Pferdeschwanz, hübsch, nett - hat ihren Partner abgehängt. Leider kurz darauf auch uns. Konsequenz: Ich verfalle in eine leichte Steigungsdepression, die gelegentlich bei Radfahrern an langen Bergpässen auftritt. Symptome: Der Befallene empfindet sein Tun als völlig sinnlos, alle Ziele scheinen unerreichbar.
Doch dann lichtet sich der Bergwald, Partner Thörner kriegt die zweite Luft hinauf auf die Pässhöhe - es folgt der zweite Surftrip hinunter nach Sterzing. Der Radfahrer wird zum Kurven-Star! Unten kurzes Kräfte- und Menschensammeln, in einer Windschattengruppe geht's einfach leichter: Mehr als 20 Männer und Frauen (mit Nummer 341 B!) stark fliegen wir mit bis zu Tempo 50 die Brenner-Bundesstraße ins Tal Richtung Brixen. Einziger Wermutstropfen: Startnummer 341 A hat wieder zu 341 B aufgeschlossen. Sonst alles gut: Cappuccino-Schlürfen bei strahlendem Sonnenschein auf dem Domplatz in Brixen! Herrlich!
Christian: Heute also der 2. Versuch mit neuem Rad mit „Rettungsring“ (34/28 als leichtester Gang) – und tatsächlich: Am Timmelsjoch (24 km Anstieg / 1.800 Hm) und auch am Jaufenpass (20 km Anstieg / 1.350 Hm) konnte ich meinem Partner Kublik deutlich leichter folgen als gestern am Kühtai. Dachte ich jedenfalls. Im Ziel hat mir Kublik dann gesagt, dass es für ihn recht locker gewesen ist und er deutlich schneller hätte fahren können. Na toll! Ich total stolz, dass ich mit der leichteren Übersetzung schön mitkurbeln konnte, immerhin 10 – 12 km/h am Berg (anstatt 7 km/h wie gestern) geschafft habe und dann so was! Natürlich sehr frustrierend für mich, wenn man weiß, dass der Teampartner deutlich schneller könnte und sich eigentlich langweilt. Zumal ich Kublik noch vor sechs Wochen beim Kurztrainingslager in Südtirol an jedem Berg deutlich im Griff gehabt habe. Überhaupt habe ich Kublik radsportlich gesehen eigentlich immer im Griff gehabt: Meine Bestzeit beim Ötztaler Radmarathon (230 km / 5.500 Hm) ist 8:01 Stunden, seine 8:25 Stunden. Aber die Zeiten ändern sich scheinbar.
Die Ergebnisse der heutigen Etappe: Für die 125 km und ca. 3.000 Hm von Sölden nach Brixen haben wir 4:47 Stunden gebraucht. In der Gesamtwertung haben wir uns mit 9:15 Stunden immerhin vom 147. auf den 141. Platz verbessert, liegen allerdings bereits 2 Stunden, 1 Minute hinter den Spitzenreitern. Die Etappe war ein absolut heißer Ritt (auch die Sonne brannte mächtig auf uns herunter) über das 2.509 Meter hohe Timmelsjoch und den 2.094 Meter hohen Jaufenpass. Zum Schluss ging es in rasendem Tempo (immer zwischen 40 und 50 km/h) in einer 30 Fahrer starken Gruppe 30 km lang leicht abfallend und mit Rückenwind von Sterzing zum Ziel nach Brixen.
Schmerzvoll und psychisch anstrengend waren vor allem auch die Passabfahrten (30 km vom Timmelsjoch und 18 km vom Jaufenpass): Schmerzvoll, weil in der Renngriffhaltung und durch das dauernde Bremsen meine wenig trainierte Armmuskulatur absolut überfordert ist und psychisch anstregend, weil hier natürlich „höggschde Konzentration“ (wie Bundesjogi sagen würde) gefordert ist, damit man nicht in der Leitplanke oder dem Hinterrad eines anderen Radlers landet. Kublik ist natürlich der Meinung, dass man bergab besser gar nicht bremsen sollte, um schneller zu sein, aber davon morgen mehr …
SIGMA Log Christian (PDF: 1.57 MB)
Etappe 1: Mittenwald - Sölden
120,89 km - 2669 Höhenmeter
Andreas: „Uli, wann ist Ruhetag?“ – ein irrer Gedanke in der ersten Rampe von 18 Alpenpässen, die wir in dieser Woche erklimmen sollen. Aber das war, was ich auf dem Weg aufs 2.013 Meter hohe Kühtai gedacht habe. Bis dahin war ich schon mehrmals richtig „blau“, wie man in der Rennfahrersprache sagt. Oder anders gesagt, viel zu weit im roten Bereich – am Beginn einer einwöchigen Etappenfahrt mit 20.000 Höhenmetern nichts anderes als Irrsinn. Schon die
ersten Kilometer waren eine Raserei – mit Puls 180 ging’s von Mittenwald
rauf in die Leutasch. Durchschnittstempo 37 zeigte der Tacho nach 40 Kilometern vor dem ersten Zehnprozenter nach Axams (Transalp-Chef Uli Stanciu hatte sich noch einen kleinen, aber steilen Umweg aufs Kühtai ausgedacht).
Was folgte war ein „Jour sans“ so sagen die Franzosen, wenn ein Rennfahrer bei der Tour de France einen richtig schwachen Tag hat. Und im Zweier-Team hat man doppelte Chance auf so einen Tag zum Vergessen. In den ersten Kehren habe ich meinen Partner Thörner nicht weit hinter mir gesehen – und ich habe das Schlimmste befürchtet. Gleich würde er wie in den vergangenen Jahren beim Ötztaler oder beim Dolomiten-Radmarathon an mir vorbeikurbeln, und ich würde mich unter Schmerzen an seinem Hinterrad festbeißen müssen. Doch er kam nicht – nicht an der Verpflegungsstelle in Sellrain, nicht an den 16 Prozent steilen Rampen, nicht in den Galerien zur Passhöhe. Rund 13 Minuten dauerte es bis Thörner kreidebleich oben ankam. Ich kenne das Gefühl: Bei meiner ersten Transalp 2003 hatte ich damals mit Magenkrämpfen das Hahntennjoch nur taumelnd und in Schlangenlinien geschafft – mein damaliger Partner Stefan schleppte mich ins Ziel. Diesmal vertauschte Rollen – das macht den Reiz dieser Veranstaltung aus: Mit Teamgeist aus dem Tal wieder nach ganz oben. Die lange Fahrt durchs Ötztal ein langer Kampf. Was Mut
macht: Vor sieben Jahren war dann die zweite Etappe die beste für unser damaliges Team bei der der gesamten TOUR-Transalp! Und wenn wir’s positiv
sehen: Wir hatten Traumwetter und sind sturzfrei durchgekommen. Und morgen kann’s nur besser werden. Sicher ist: Morgen geht es wieder bergauf!
SIGMA Log Andreas (PDF: 410 KB)
Christian: Boah bin ich platt. Das gibt’s ja gar nicht! Zuerst die nackten Zahlen: 4:28 haben wir gebraucht und liegen damit bereits 1 Stunde hinter der Spitze.
Am Fusse des Kühtai lagen mein Partner Kublik und ich scheinbar nur 100 m auseinander, allerdings war ich da bereits so blau, dass mich der Anstieg selbst dann total aufgestellt hat. An den beiden steilsten Stücken (14%) musste ich mich jeweils eine Minute hinsetzen, die Oberschenkel waren einfach voll zu. Schließlich musste Kublik auf dem Kühtai-Gipfel 15 min auf mich warten, denn die Zeit des Zweitplazierten wird im Ziel für das Team gewertet.
Kublik hat es einfach nach dem Start viel besser geschafft, im Pulk locker mit der Spitze mitzufahren, während ich ängstlich immer weiter nach hinten durchgereicht wurde. So war ich schon auf den ersten Flachpassagen gezwungen, die Löcher zur Spitze immer wieder zuzufahren, was mich viel zu viele Körner gekostet hat und was im Nachhinein auch sinnlos war, denn die dabei maximal hereingefahrenen zwei Minuten, haben mich schließlich die viertel Stunde am Berg gekostet.
Für morgen habe ich das Rad getauscht. Das neue Rad verfügt über eine Bergübersetzung mit zwei „Rettungsringen“. Vielleicht retten die mich ja wirklich vor einem weiteren Desaster. An irgendwas muss man sich ja festhalten …
Vorschau: 8. Jeantex-TOUR-Transalp powered by SIGMA 2010
Warum ich zum ersten Mal bei der TOUR-Transalp dabei bin? Also angefixt hat mich der Kublik, mein Teampartner. Am Anfang habe ich beim flüchtigen Blick auf die Eckdaten die Transalp für keine besonders arge Herausforderung gehalten. Denn was sind schon 782 Rad-Kilometer in einer Woche? Vor drei Jahren bin ich das in einer gewöhnlichen Trainingswoche neben einem 40-Stunden-Job geradelt: dreimal pro Woche 65 Kilometer morgens zur Arbeit und abends wieder zurück, am Samstag 180 Kilometer und am Sonntag einen 200er als Abschluss obendrauf.
Am Anfang hat Kublik, als es um unsere Ziele ging, irgendetwas von einer Top-Ten-Platzierung erzählt. Am Anfang habe auch ich gedacht, das müsste machbar sein. Was ich aber am Anfang nicht bedacht habe: Über 20.000 Höhenmeter in einer Woche, das sind 3.000 Höhenmeter pro Etappe und damit mehr als ein halber Ötztaler-Radmarathon – und das siebenmal hintereinander! Seit mein Job nun keine tägliche Pendelei mit 130 Radkilometern mehr erlaubt (ich sitze jetzt täglich während des Außendienstes im Auto) und ich nach unserem gemeinsamen Trainingslager im Mai bereits nach drei Tagen mit jeweils „nur“ 2.000 Höhenmetern sehr, sehr platt war, habe ich nun auf einmal richtig Muffensausen vor dieser TOUR-Transalp! Ganz anders als am Anfang!
Meine neuen Ziele kurz vor dem Start – nach knapp 5.000 Trainingskilometern in diesem Jahr (mehrere Hundert Kilometern Rollentraining im Winter inklusive): 1. Mein Rücken, der seit ein paar Tagen übel schmerzt, soll halten. 2. Ich will die Transalp schaffen! 3. Ich will ein gutes Ergebnis erreichen – nur ich kann überhaupt nicht einschätzen, was gut wäre...
Aber trotz meiner neuen Bedenken: Ich freue mich echt auf die Woche. Es war immer mein Traum, mal eine richtige Tour, ein mehrtägiges Etappenrennen zu fahren. Das habe ich noch nie gemacht. Für mich ist die Transalp das, was die Tour de France für Profis ist. Ich will, dass wir dieses Tour-de-France-Feeling erleben!
Christian Thörner
TOUR-Redakteur Andreas Kublik schildert gemeinsam mit seinem Partner Christian Thörner die Erlebnisse als Team bei der Jeantex-TOUR-Transalp
Kaum zu glauben: Noch zweimal schlafen – dann ist es so weit: Es geht wieder los zur TOUR-Transalp. Wie schnell ist die Zeit vergangen – von der Idee im vergangenen Herbst, zum zweiten Mal bei der Transalp mitzumachen, bis jetzt zu den letzten Startvorbereitungen!
Das Transalp-Fieber ist wieder da. Im vergangenen Jahr hatte ich endlich wieder Druck auf dem Pedal. Nach einer ordentlichen Steigerung beim Ötztaler Radmarathon war der Plan schnell gefasst. Ich will’s mal wieder versuchen. Bei der Premiere 2003 war ich das bisher einzige Mal dabei. Schon die Erstauflage der Alpenüberquerung war beeindruckend – die Lust, wieder dabei zu sein, war immer da. Aber die Beine waren oft zu schwach. Denn die Ansprüche waren hoch: Mit meinem damaligen Partner Stefan war ich Elfter der Gesamtwertung – zu unserer Überraschung. Die Dynamik, die im Zweier-Team entsteht, hat uns damals unheimlich gepuscht! Einer hat den anderen bei Schwächephasen im Windschatten mitgezogen, am Berg angefeuert – eine Woche lang. Das hat uns weit nach vorne gebracht.
Mal sehen, wie es diesmal läuft mit Startnummer 13 über 780 Kilometer und fast 20.000 Höhenmeter. Das Niveau ist enorm gestiegen seit 2003, hört man – bei den anderen im Transalp-Peloton, nicht unbedingt bei mir. Mein neuer Partner Christian Thörner, ein alter Kumpel aus gemeinsamen Läufertagen, ist eine leichtgewichtige Bergziege mit der Trainingserfahrung und der Lunge eines langjährigen Langstrecklers. Bei unseren Trainingstouren in Südtirol habe ich bestenfalls seine Hinterradnabe gesehen – meistens war er bald weit voraus und hinter der nächsten Kehre verschwunden. Aber selbst Christian ist bald skeptisch geworden. Unser ehrgeiziges Ziel, unter die Top-Ten zu fahren, haben wir längst verworfen. Inzwischen haben wir genug Ausreden gesammelt, um bescheidenere Ziele ohne Gesichtsverlust formulieren zu können: Der Winter war zu lang für ein solides Training! Die Infekte, die uns das regelmäßige Schmuddelwetter eingetragen hat, zu häufig! Dazu zwickt der Rücken – schließlich haben wir die Qualifikation für die Masters-Klasse nur knapp verpasst!
Egal, wir lassen uns wieder überraschen – vom Wetter, von der Strecke, von unserer Form, vom riesig auf 1.200 Starter gewachsenen Feld. Die Transalp wird garantiert auch 2010 aufregend und eindrucksvoll. Wir sehen uns in Mittenwald!
Andreas Kublik
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